Buchtaufe: Káčko, Käffchen und das Ende der Welt
Hausgemachte Geschichte der Dummheit und der Zivilisation
06.05.2026
Über das Buch
Wissen Sie, warum Menschen Diktatoren wählen? Warum die Demokratie einer aufgeschobenen Bürgerkriegsform ähnelt? Und was Schwäne eigentlich mit Philosophie zu tun haben?
Káčko ist ein Intellektueller mit dem Kopf in den Wolken und einer Bibliothek voller antiker Klassiker. Seine Frau ist eine praktische Dame mit beiden Beinen fest auf dem Boden, die für sein „leeres Philosophieren“ wenig Verständnis hat. Ihre ehelichen Dialoge – geführt im Schlafzimmer, im Auto oder am Herd – sind eine funkelnde, witzige und stellenweise erschreckend präzise Bestandsaufnahme des heutigen Weltzustands.
Von Klimawandel über Agnotologie (die Wissenschaft, die untersucht, wie Dummheit erzeugt wird) bis hin zur Regressionstheorie, die erklärt, warum die moderne Gesellschaft geistig in die Kleinkindphase zurückfällt. Martin Paur (auftretend als K. Ječmínek alias Káčko) hat moderne sokratische Dialoge für das 21. Jahrhundert geschaffen.
Wenn Káčko in den Debatten mit seiner Frau die Argumente ausgehen, bleibt nur noch Freund Bartoš und das letzte Bier in der Plzeňka. Dieses Buch ist eine Einladung zu einem Gespräch, das selbst nach der Sperrstunde nicht endet.
„Zivilisation ist unnatürlich. Wir müssen jeden Tag aufs Neue lernen, in ihr zu leben. Und die beste Lehrerin ist eine Frau, die Ihnen nicht erlaubt, sich völlig zum Narren zu machen.“
Programm des Abends
17:45
18:50
19:00
Begrüßungswort
Musikalischer Auftritt des Duos Když kočky řvou
Szenische Lesung ausgewählter Dialoge aus dem Buch:
Die Pareto-Regel, Der Tanz des Sitzenden Büffels, Epilog
Taufe des Buches & Signieren der Exemplare
Anschließender Übergang in die Plzeňka — ein Dialog, der selbst nach der Sperrstunde nicht endet
Praktische Informationen
📅 06.05. 2026, 17:45
📍Regionale Bibliothek der Region Pardubice
Pernštýnské náměstí 77,
Pardubice
Eintritt frei.
Das Buch kann direkt vor Ort erworben werden.
Annotation
Wie findet man sich in einer Welt zurecht, die immer unverständlicher, aggressiver und absurder zu werden scheint? Martin Paur, der unter dem Pseudonym K. Ječmínek schreibt, bietet in seinem Buch Káčko, Käffchen und das Ende der Welt eine einzigartige Antwort. Erwarten Sie jedoch keine trockene politologische Studie. Stattdessen begegnen wir einer Form scharfzüngiger, ironischer und zugleich zutiefst menschlicher Dialoge zwischen zwei Hauptfiguren: dem neugierigen, bisweilen geradezu büchervernarrten Káčko und seiner pragmatischen, energischen und gelegentlich unverblümt sprechenden Ehefrau, die er mit unerschütterlicher Zuneigung und Hingabe „meine Dame“ nennt.
Paurs literarisches Projekt, das ursprünglich als Reihe situativer Kommentare für die Pardubicer Regionalzeitung Pernštejn entstand, verbindet die Tradition des sokratischen Dialogs mit der modernen journalistischen Pointierung. Der Autor wagt sich damit in eine kommunikativ äußerst anspruchsvolle Position: fundierte Zweifel an heutiger Politik und Kultur mit einem breiten Publikum zu teilen, ohne dabei in Belehrung oder intellektuelle Überheblichkeit abzugleiten. Der thematische Umfang des Buches ist – selbst für hiesige Verhältnisse – außergewöhnlich breit. Martin Paur führt uns durch ein Kaleidoskop von Situationen und Problemen, von banalen häuslichen Streitigkeiten – etwa über die Herkunft der orangefarbenen Regenschirme für den All-Sokol-Aufmarsch mit der Aufschrift Made in China – bis hin zu grundlegenden Fragen der menschlichen Existenz. Durch die Figur des Káčko erklärt der Autor komplexe Konzepte wie die Pareto-Regel (von Káčko eigenwillig auf die Effizienz der Staatsverwaltung im Vergleich zur Privatwirtschaft angewandt), die neurobiologischen Ursachen der Xenophobie oder die evolutionären Fallen, in die die moderne Zivilisation aufgrund urzeitlicher menschlicher Instinkte tappt.
Das Buch scheut auch hochkontroverse Themen keineswegs. Káčko analysiert das Phänomen der Demagogie am Beispiel von Donald Trump oder Wladimir Putin, untersucht den „mütterlichen Instinkt“ Angela Merkels in der Flüchtlingskrise und setzt sich selbstverständlich kritisch mit dem Zustand der tschechischen politischen Szene auseinander – von Andrej Babiš bis hin zu Petr Pavel, den Káčko als „ersten Präsidenten Tschechiens“ bezeichnet. Als ersten Präsidenten, der endlich verstanden hat, wie seine Rolle auszufüllen ist, und entsprechend handelt. Ein zentrales Motiv, das sich durch alle situativen Meinungsverschiedenheiten und Streitigkeiten (einschließlich der abschließenden Versöhnungen) zieht, ist der Kontrast zwischen der „Rationalität“ Káčkos, der versucht, die Welt mithilfe von Geschichte und Wissenschaft zu erklären, und der „Emotionalität“ seiner Frau, die in die Debatten gesunden Menschenverstand und eine angemessene Portion Empörung über die Ungerechtigkeiten der Welt einbringt. Beide Protagonisten schätzen Freundschaft und gegenseitiges Verständnis über alles; ein wenig Neckerei vor dem Hintergrund gelegentlicher Meinungsunterschiede bedeutet schließlich noch lange nicht, ideologische Gräben zu vertiefen. Eines der wichtigsten Themen ist vor diesem Hintergrund jeder Fanatismus, der Verständigung zerstört. Paur warnt vor dem Verlust der Fähigkeit, zwischen Realität und ideologischer Vorstellung zu unterscheiden. Er weist darauf hin, dass die größten Verbrechen der Geschichte im Namen abstrakter Begriffe wie Gott, Staat oder Nation begangen wurden. Die einzige Verteidigung dagegen ist seiner Ansicht nach kritisches Denken, Logik und die Fähigkeit, sich die eigene „Dummheit einzugestehen“.
Der abschließende Nachwort – Was in der Plzeňka geschah bringt ein wesentliches autobiografisches Element in das Buch. Es enthüllt die Wurzeln von Káčkos lebenslanger Faszination für die Welt und zeigt, wie alles mit einem Geburtstagsgeschenk begann – einem kleinen Auto, das der kleine Káčko sofort in Einzelteile zerlegte, nicht um es zu zerstören, sondern um zu verstehen, wie es funktioniert, und es anschließend wieder zusammenzusetzen. Dieses Verlangen, „unter die Motorhaube der Dinge zu schauen“, begleitet Martin Paur im Kostüm des Káčko durch das gesamte Buch. Das Nachwort zeigt aus diesem Blickwinkel, dass das Schreiben solcher Texte für den Autor nicht bloß eine intellektuelle Übung ist, sondern ein existenzielles Bedürfnis, die Ergebnisse seines lebenslangen „Forschens“ mit anderen zu teilen. Das Buch endet somit in der „Plzeňka“, wo Káčko bei einem Bier und im Gespräch mit seinem Freund Bartoš zur Erkenntnis gelangt, dass der Mensch zwar ein „vom Verstand krankes Tier“ ist, aber gerade der unaufhörliche Dialog und das Bemühen, den anderen zu verstehen, uns vor dem Abgrund der Barbarei bewahren.
Káčko, kafíčko a konec světa ist eine Lektüre für alle, die das Gefühl haben, dass ihnen die heutige Welt zwischen den Fingern entgleitet. Sie erfreut jene, die über die Absurdität der Politik lachen möchten und zugleich nach einem tieferen Einblick in die Komplexität der menschlichen Psyche im historischen und politologischen Kontext suchen. Es spielt kaum eine Rolle, aus welcher Genre-Perspektive man sich dem Buch nähert: Man kann es als philosophische Satire lesen, als Sammlung aktueller politischer Causerien oder als aufrichtige Beichte eines Mannes, der versucht, die Welt mit den Augen seiner Frau und ihres praktischen, offenen Geistes zu verstehen. In jedem Fall lohnt es sich, eine solche Publikation im Bücherregal zu haben – nicht zuletzt deshalb, weil sie intelligenten Humor bietet, der kein Blatt vor den Mund nimmt und dennoch menschlich bleibt. Ganz gleich, wie der situativ wie personell brillant inszenierte Streit ausgeht: Gewinner ist stets der Leser. Er amüsiert sich nicht nur prächtig, sondern erfährt zugleich eine Fülle von Dingen, ohne sich belehrt oder bevormundet zu fühlen – auch so erfüllt der Textband von Martin Paur seine edukative Funktion unaufdringlich, fesselnd und schlicht hervorragend.
Jiří Studený – Dichter und Dozent für kreatives Schreiben
